Mit dem heutigen Donnerstag endet schon mal inoffiziell eine Ära. Denn heute leitete der Italiener Mario Draghi in seiner Funktion  als bisheriger Präsident der Europäischen Zentralbank letztmalig die Ratssitzung. Je nachdem, wie sich Kommentatoren ordnungspolitisch oder  regional einordnen lassen, fällt die Bilanz der letzten acht Jahre entweder positiv oder deutlich kritisch aus. Kein Wunder, hatte die EZB doch  unter der tätigen Anleitung von Draghi nach der Finanzkrise den schon von seinem Vorgänger Trichet installierten südeuropäischen Ansatz der  Geldpolitik nicht nur verstätigt, sondern auch deutlich ausgebaut.

Wir hatten es in der letzten Woche schon diskutiert: Auch die EZB ist inzwischen ein klarer Verfechter der sogenannten modernen  Geldtheorie, mit der sich Notenbanken weniger mit der Rolle des Rahmensetzens im Hintergrund beschäftigen, sondern zu höchst aktiven  Akteuren am Kapitalmarkt geworden sind. Die Anleihenkäufe, die sich längst nicht mehr auf Staatsanleihen beschränken, sondern  Unternehmensanleihen mit einbeziehen und in Zukunft höchstwahrscheinlich auch Aktien betreffen, sind dafür exemplarisch.

Insofern ist damit zu rechnen, dass die EZB auch unter der Draghi-Nachfolgerin Christine Lagarde, immerhin erneut eine Französin, ihren mittlerweile beschrittenen Weg weitergehen wird. Die für die Beobachter wohl spannendste Frage dabei ist, wie sich die vorhandenen Kritiker gegenüber dieser Art von Geldpolitik in Zukunft positionieren und Gehör verschaffen können. Bemerkenswert war bei der Abschlusspressekonferenz von Draghi deshalb auch, dass er die im September laut gewordenen Kritiken, insbesondere von  Bundesbankpräsident Jens Weidmann und Klaas Knot aus den Niederlanden, herunterzuspielen versuchte.

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