Um gleich vorneweg mit einem Vorurteil aufzuräumen: Schulden per se sind weder gut noch schlecht. Die negative Tonlage, die in manchen Medien bezüglich Schulden angeschlagen wird, geht vollkommen an ökonomischen Überlegungen vorbei. Mit Fremdkapital können Unternehmen Projekte umsetzen, die im besten Fall eine positive Rendite bringen. Damit wird Umsatz und Gewinn und letztlich Unternehmenswert geschaffen. Auch für Staaten macht Verschuldung Sinn, wenn die Gelder in Infrastruktur investiert werden, die wirtschaftliches Handeln von Unternehmen befeuern und damit gesamtwirtschaftliches Wachstum schaffen. Ob Schulden für konsumtive Ausgaben genutzt werden sollten, wäre Thema einer anderen Diskussion.

Für Unternehmen, Staaten und erst recht Verbraucher gilt aber: Schulden ergeben nur so lange Sinn, wie sie refinanziert werden können. Die sogenannte Schuldentragfähigkeit ist deshalb ein Indikator, der bei jeder Schuldenanalyse mit dazugehört. Der große Knall der Finanzkrise vor mittlerweile zehn Jahren hat gezeigt, dass viele Unternehmen und auch Staaten an die Grenzen ihrer entsprechenden Belastung gekommen waren. Dies spiegelte sich in zum Teil exorbitant steigenden Risikoprämien wider. Denn natürlich verlangen Gläubiger, die ihre Kredite für rückzahlungsgefährdet halten, mehr Zins.

Das galt auch für die Eurozone, die bekanntlich neben Island und Irland vor allem ein Südeuropa-Schuldenproblem hatte. Wir wollen an  dieser Stelle nicht die ganzen Maßnahmen und politischen Diskussion noch mal rekapitulieren, die dazu dienen sollten, die Verschuldung wieder zu senken. Dass hier durchaus Erfolge für eine Stabilisierung erreicht wurden, wollen wir nicht negieren. Dies spiegelt  sich auch in der Fähigkeit der Krisenländer wider, wieder fast normal am Kapitalmarkt aktiv zu werden. Dennoch: Der Blick auf den derzeitigen  Status quo zeigt, dass die Verschuldungsproblematik  längst noch nicht geklärt ist, im Gegenteil.

Dieser Inhalt ist nur für ICM Premium Mitglieder abrufbar.
Einloggen Registrieren