Eigentlich hätte es eine gute Nachricht werden können: Wie jüngste Erhebungen der Europäischen Zentralbank zeigen, haben die Banken in der Eurozone Verschärfungen der Kreditstandards in den letzten Monaten deutlich milder ausfallen lassen als es in früheren Krisen wie beispielsweise der Eurokrise oder der Finanzkrise der Fall war. Indes: Dass es überhaupt eine Verschärfung gibt, lässt durchaus Zweifel an der Durchschlagsfähigkeit der milliardenschweren Hilfsprogramme der Regierungen wie auch natürlich der nie da gewesenen umfassenden Maßnahmen der EZB selbst  aufkommen.

Es sind vor allem Unternehmen, die aktuell Kredite nachfragen, in der Regel als Notfall-Kredite und weniger für Investitionen. Wobei an dieser Stelle noch einmal ganz klar zum Ausdruck gebracht werden sollte: Faktisch alle Unternehmen, die derzeit in Bedrängnis geraten sind, unter Liquiditätsmangel leiden oder womöglich auch schon Insolvenz angemeldet haben – plus den Abertausenden Einmann-Betriebe und  Selbstständigen – haben ihre prekäre Situation nicht selbst zu verantworten. Dieses „Verdienst“ gebührt einzig und allein den jeweiligen Regierungen.

Umso kritikwürdiger ist es, dass die publikumswirksam verkündeten Hilfsmaßnahmen entweder kaum oder verspätet fließen und in der Regel sich  auf Kredite beschränken, die ja irgendwann dann erst einmal wieder verdient werden müssten. Darüber hinaus zeigt sich, dass hier einige Regierungen,  auch die Bundesregierung und hier insbesondere die ja immer noch mitregierende SPD, die von der Politik selbst verursachte Notlage dazu nutzen  möchten, um im Gegenzug für Hilfen politischen und unternehmerischen Einfluss zu gewinnen. Dazu gleich mehr beim Thema Lufthansa. Dass die  entsprechenden Industrieverbände, bspw. der BDI, dagegen Sturm laufen, ist erwartbar und auch im Sinne marktwirtschaftlicher Ordnungspolitik zu
fordern. Ob sie am Ende damit Erfolg haben, bleibt abzuwarten.

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