Wird die in der kommenden Woche offiziell eingeläutete Berichtssaison zum zweiten Quartal die derzeitigen Unterschiede zwischen  dem amerikanischen und dem europäischen Kapitalmarkt verfestigen? Geht es nach den bisherigen Indizien, spricht vieles dafür. Zwar hatten sowohl in den USA als auch in Europa eine ganze Reihe von Unternehmen im Vorfeld Gewinnwarnungen aussprechen müssen. Doch die Reaktionen darauf begrenzten sich zumindest in den USA in der Regel nur auf die einzelnen Werte und nicht einmal auf die betroffenen Branchen. Dagegen hat eine Reihe von Warnungen gerade bei den europäischen Zyklikern für ein insgesamt angeschlagenes Stimmungsumfeld gesorgt.

Was nicht zuletzt auch daran liegen dürfte, dass man den Amerikanern hier erneut mehr Pragmatismus zutraut. Die Aussicht, dass es womöglich noch in diesem Monat, spätestens im August, zu einer ersten Zinssenkung nach dem Ende der Finanzkrise kommt,  untermauert dies. Denn die US-Notenbank ist, auch wenn sie ihre offizielle Geldpolitik an anderen Indikatoren festmacht, immer auch bereit, die Wirtschaft und damit die Unternehmen zu unterstützen. Im Gegenzug:

In Europa wird sich in den nächsten Wochen und Monaten nur sehr wenig an dieser Front tun. Gesetzt den Fall, dass zumindest die neuen EU-Posten schnell besetzt werden, wird es hier in der Euro-Zone trotzdem vorerst keine Entscheidung geben, bis nicht die designierte EZB-Chefin Christine Lagarde ihren Posten bezogen hat. In der Zwischenzeit sind die konjunkturellen Erwartungen für den Euro-Raum deutlich eingetrübt. Dabei ist es ausgerechnet der bisherige Musterschüler Deutschland, der neben dem (erwartungsgemäßen) Schlusslicht Italien in diesem Jahr schwach abschneiden wird. Und auch im kommenden Jahr scheint allenfalls eine durchschnittliche Dynamik möglich zu sein.

Dieser Inhalt ist nur für ICM Premium Mitglieder abrufbar.
Einloggen Registrieren