Der Wettlauf um einen Impfstoff gegen den COVID-19-Virus ist längst zu einem geopolitischen Tauziehen geworden. Unter diesem Aspekt muss man auch die Meldung von dieser Woche einordnen, dass Russland als erstes Land einen entsprechenden Impfstoff zugelassen hat und damit quasi den Sieg für sich reklamiert.

Wobei man schon an den Begleitumständen sieht, dass hier im Interesse politischer Pläne geradezu Vabanque gespielt wird. Denn der Impfstoff, der unter dem Projektnamen „Sputnik V“ läuft, ist nach offiziellen Angaben gerade mal in der klinischen Testphase II angekommen. Klassischerweise werden in dieser Stufe neue Medikamente meistens erst auf ihre Sicherheit und Verträglichkeit an einer überschaubaren Menge an Probanden überprüft.

Doch Russland hat mit dem hintersinnig gewählten Namen der westlichen Welt und damit allen führenden Pharmafirmen die Show stehlen wollen. Ältere Leser erinnern sich vielleicht noch an den Sputnik-Schock 1957, als Russland den ersten Satelliten dieses Namens noch vor den Amerikanern ins Weltall geschickt hatte. Einen ähnlichen Schock will Russland heutzutage auch erzeugen. Wobei es wohl weniger darum geht, die eigene  Bevölkerung gegen Corona impfen zu können. Vielmehr geht es aus unserer Sicht auch um geopolitische Interessen, insbesondere in den Emerging  Markets und Schwellenländern. Denn ein wirksamer Impfstoff gegen Corona könnte insbesondere auch in Asien, Südamerika und Afrika viele Türen  öffnen, die momentan vielleicht noch verschlossen sind. Außerdem könnte man hier auf diesem Wege alte Bündnisse festigen.

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