Fusionsspekulationen im Flugzeugbau

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Fusionsspekulationen im Flugzeugbau

In der vergangenen Woche konnten wir darüber berichten, dass der amerikanische Flugzeughersteller Boeing mit seinem Versuch gescheitert ist, den Konkurrenten Bombardier mit horrenden Strafzöllen auszubremsen. Wobei dies von Seiten Boeings eher der Versuch war, vorausschauend einen möglichen Konkurrenten abzuwehren. Denn aktuell baut Boeing zwar hauptsächlich Großraumflugzeuge, schaut aber auch auf den Markt für kleinere und mittlere Größen. Auf der anderen Seite könnte Bombardier auf absehbare Zeit in der Lage sein, seine mittelgroßen Maschinen der CSeries zu verlängern und damit in die bisherige Domäne von Boeing vorzustoßen. Dies insbesondere, da nun bekanntlich auch Airbus mit im Boot sitzt.

Während Boeing die Ablehnung der Strafzölle durch die US-Handelskommission augenscheinlich auf sich beruhen lassen will, hat der  brasilianische Flugzeugbauer Embraer nochmals nachgekarrt, dass der direkte Konkurrent Bombardier unerlaubte Hilfen durch den kanadischen Staat bekäme. Dass sich Embraer aktuell derart massiv gegen Bombardier positioniert, hat einen einfachen Grund: Die Brasilianer fürchten, zwischen Boeing und dem neuen Gespann Airbus/Bombardier bei kleineren Maschinen aufgerieben zu werden.

Deshalb loten derzeit auch Boeing und Embraer Möglichkeiten aus, wie man in Zukunft zusammenarbeiten könnte. Das Thema ist nicht ganz neu, stagniert allerdings schon seit Monaten. Denn vor allem die brasilianischen Gewerkschaften machen Front gegen eine wesentliche Beteiligung der Amerikaner. Außerdem ist Embraer auch im militärischen Flugzeugbau tätig, was die Brasilianer überhaupt nicht in fremden Händen sehen wollen.

Zuletzt kam allerdings eine Variante auf, die auch von Regierungsseite zustimmungsfähig sein könnte. Denn Embraer könnte seine zivile Luftfahrttechnik auslagern und in ein gemeinsames Joint Venture mit Boeing einbringen. Damit würde man letztlich das gerade vollzogene Modell von Bombardier und Airbus kopieren.

Wobei die Zeit drängt. Denn Marktbeobachter schätzen, dass das Duo Airbus/ Bombardier in den nächsten Jahren seinen Marktanteil bei den Regionalflugzeugen, also mittlerer Größe, von 30% auf 50% steigern könnte. Hinzu kommt, dass auch russische, chinesische und japanische Hersteller neue Modelle in den nächsten Jahren angekündigt haben. Embraer könnte hier letztlich das deutliche Nachsehen haben. Was die Firma in eine kritische Situation bringen könnte, da sie derzeit rund 60% ihres Umsatzes mit Regionalflugzeugen macht und 85% des Nettogewinns darauf beruhen.

Würde man mit Boeing zusammengehen, hätte man wohl fürs Erste ausgesorgt. So wird geschätzt, dass Kunden von Boeing in den nächsten Jahren rund 460 Regionalflugzeuge ersetzen müssten. Das wären in etwa so viele Maschinen, wie Embraer derzeit in den Auftragsbüchern hat.

Fazit: Wir würden in dieser Konstellation darauf wetten, dass sowohl brasilianische  Gewerkschaften als auch die dortige Politik ihren Widerstand letztlich aufgeben und es zu einem wie auch immer gearteten Zusammenschluss kommt. Das würde für die ausstehenden Embraer-Anleihen auch eine interessante Perspektive bringen, da das Bonitätsrating von Embraer mit Ba1 (Moody´s) unter dem von Boeing liegt und bei einem Zusammenschluss eine Hochstufung möglich werden würde.

Insofern würden wir hier eine spekulative Position empfehlen, wobei wir derzeit Emissionen mit Laufzeit bis 2023 bzw. 2025 bevorzugen. Beide Papiere hatten zuletzt deutlich korrigiert. Dies sehen wir zusätzlich als interessanten Einstiegspunkt an. Zur weiteren Übersicht noch die anderen empfohlenen Anleihen aus dem Flugzeugbau-Sektor. Hier sprechen wir explizit noch eine Kaufempfehlung für die Boeing-Anleihe aus. Die anderen Bonds sind Halten-Empfehlungen.

Von | 2018-02-08T15:44:39+00:00 08.02.2018|Kategorien: Anleihenmarkt|Kommentare deaktiviert für Fusionsspekulationen im Flugzeugbau

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