Deutschland, die größte europäische Volkswirtschaft, versucht mit massiven staatlichen Investitionsprogrammen, wieder auf Wirtschaftswachstum umzuschalten. Dieses Vorhaben wird allerdings durch den Irankrieg beziehungsweise durch die stark gestiegenen Preise für Öl und Gas ausgebremst. Ein Wirtschaftsforschungsinstitut nach dem anderen hat seine Wachstumsprognosen für 2026 reduziert.
Zwar ist es um die Staatsfinanzen in den europäischen Ländern besser bestellt als in den USA. Selbst Frankreich, dem immer wieder eine zu hohe und zu schnell wachsende Verschuldung vorgeworfen wird, schneidet besser – beziehungsweise weniger schlecht – ab als die Vereinigten Staaten.
Staatsverschuldung der USA versus Europa (brutto)
(Quelle: BCA Research, EIS, 05.03.2026, S. 3; Titel: Wieviel Platz bleibt für Neuverschuldung?)
Allerdings ist auch hier der fiskalische Spielraum begrenzt. Erstens kann von einer niedrigen Staatsverschuldung auch in Europa nicht die Rede sein. Zweitens verteuern auch in Europa wieder gestiegene Zinsen den Schuldendienst der Staaten.
Renditen zehnjähriger Staatsanleihen in Europa
(Quelle: BCA Research, EIS, 05.03.2026, S. 2; Titel: Renditen zehnjähriger Staatsanleihen in der Euroregion)
Es wäre daher wichtig, längst überfällige Strukturreformen durchzusetzen. Doch die Regierungen tun sich damit schwer. Nachdem die für Herbst und Winter angekündigten Reformen in Deutschland ausgefallen sind, soll es jetzt im Frühjahr klappen. Der Bedarf ist unbestritten. Das gilt mittlerweile sogar für SPD-Anhänger. Jetzt muss sich zeigen, ob die rot-schwarze Regierung auch liefert. Mit der Agenda 2010 ist die letzte große Strukturreform bereits 23 Jahre alt.
Derweil gerät die deutsche Wirtschaft immer stärker unter internationalen Wettbewerbsdruck. In China, dem weltweit größten Pkw-Absatzmarkt, sorgen mehr als 100 einheimische Hersteller für einen harten Konkurrenzkampf. Sie machen den deutschen Firmen mit Dumpingpreisen und technischen Innovationen das Leben schwer. Das gilt insbesondere für E-Autos. Auch im Maschinenbau hat sich das Umfeld verschlechtert. Die Gewinne der Dax-Unternehmen stagnieren bereits das dritte Jahr in Folge.
Nun überschwemmen die Chinesen den europäischen Markt mit Billigprodukten. In China herrscht einerseits eine Überproduktion, der eine schwache Binnennachfrage gegenübersteht. Andererseits wehren sich die USA gegen ein Übermaß chinesischer Exporte. Europa leistet hier deutlich weniger Widerstand. Hinzu kommt das scheinbar endlose Hin und Her bei den US-Strafzöllen.
Das deutsche Aktienindex Dax hat seit dem Beginn des Irankriegs in der Spitze sogar 12 Prozent verloren und damit mehr als der amerikanische S&P 500. Während die USA Öl und Gas exportieren, ist die deutsche Wirtschaft auf die Einfuhr fossiler Energieträger angewiesen. Zwar steigt hierzulande der Anteil von Wind- und Solarparks bei der Stromerzeugung seit Jahren. Doch Strom macht am gesamten Energiemix nur einen Anteil von rund 20 Prozent aus. Die Industrie, der Verkehr und der Immobiliensektor sind vor allem auf Öl und Gas angewiesen. Und das ist derzeit nicht nur teuer, sondern wird langsam auch knapp. In anderen europäischen Ländern sieht es vielleicht etwas besser aus, jedoch nicht wirklich. Der Euro Stoxx 50 ist seit dem Ausbruch des Kriegs im Nahen Osten ähnlich stark gefallen wie der Dax.


