Während im politischen Berlin die zukünftigen Ampel-Koalitionäre um Inhalte und Posten schachern, ist eine personelle Bombe geplatzt. Denn Bundesbank-Chef Jens Weidmann will nicht mehr und gibt satte fünfeinhalb Jahre vor dem Ablauf seiner derzeitigen Amtszeit bekannt, dass er zum Ende des Jahres aufhören will.

Man muss es vielleicht so hart ausdrücken: Damit geht wohl der letzte echte Falke aus dem EZB-Rat von Bord, und wie zu hören ist, mit einer gehörigen Portion Frustration, die sich in den letzten Jahren angesammelt hatte. Kein Wunder, dominieren in der Europäischen Zentralbank noch längst die Club-Med-Akteure, die zwar noch mit Blick auf die geldpolitisch konservativeren europäischen Nordländer ein bisschen Zurückhaltung üben. Doch während der Euro-Finanzkrise und zuletzt der Corona-Pandemie wurden neue Tatsachen geschaffen, die wohl auf viele Jahre hinaus die europäische Geldpolitik bestimmen werden.

Zumal mit dem Rücktritt von Weidmann nun auch der Weg frei zu sein scheint, dass die neue Koalition in Berlin sich mehr fiskalischen und geldpolitischen Spielraum gönnen kann. Frei nach dem Motto “Nach uns die Sintflut“. Natürlich hat die Institution Bundesbank auch weiterhin gehöriges Gewicht. Doch wenn man schaut, dass hier als potenzielle Nachfolger vor allem auch SPD-nahe Personen genannt werden, fachlich sicherlich alle ohne Tadel, dann kann man sich schon ausrechnen, wohin die Reise gehen könnte.

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