Ist nach der Krise vor der Krise? In diesen Tagen, wo alles – ob zu Recht oder nicht – dramatisiert wird, fällt es dem Beobachter  natürlich auf, dass die derzeitige Virus-Krise den Keim gänzlich anderer Krisen in sich tragen könnte. Denn das, was wir derzeit erleben,  ist das sprichwörtliche Experiment am offenen Herzen. Niemand weiß, was die Abermilliarden von Dollar und Euro, die durch  die Notenbanken und Regierungen in den Kapitalmarkt und die Wirtschaft gepumpt werden, tatsächlich bewirken werden. Und vor  allem, wie bekommt man sie am Ende dort wieder heraus?

Erinnern wir uns an die Folgen der Finanzkrise: Die US-Regierung zwang damals die dortigen Banken, Staatshilfen anzunehmen, um die faulen Bilanzpositionen schnellstmöglich zu bereinigen. Dadurch waren die Banken in der Lage,  relativ schnell wieder zum Normalzustand zurückzukehren und – wie wir in den vergangenen Jahren immer wieder gesehen hatten  – hoch profitabel zu arbeiten. Das Kontrastprogramm dazu lieferte Europa.

Dort wollten die Regierungen nicht, dort wollten die Banken nicht. Einzelfälle gab es, doch das Gesamtsystem versuchte die Rosskur, die erst vor kurzem als halbwegs abgeschlossen galt, 10 Jahre später und mit einer Branche, die weit hinter den US-Wettbewerbern hinterherblieb. Nun gibt es ein globales Experiment mit ungewissem Ausgang, nicht nur für Unternehmen und Staatshaushalte, sondern letztlich auch im besonderen Maße für die Geldpolitik. Denn „Whatever it takes“ muss irgendwann auch wieder eingefangen werden, um die Notenbanken in die Lage zu versetzen, bei neuerlichen Krisen wieder handlungsfähig zu sein. Alles andere wäre ein Vabanque-Spiel, mit besonderem Blick auf die Inflation.

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