Dass es unter dem Einfluss der neuen US-Sanktionen für die russischen Kreditinstitute schwieriger werden würde, war abzusehen. Jetzt liegen erste Quantifizierungen vor. So hatte sich die mehrheitlich im Staatsbesitz befindliche Sberbank zu Wort gemeldet. Nach Aussagen des Sberbank-Chefs German Gref muss sich die russische Bankbranche auf Verluste zwischen 80 – 100 Mrd. RUB, umgerechnet rund 1,1 bis 1,3 Mrd. EUR, einstellen. Dies hauptsächlich durch die stark erhöhte Volatilität an den Märkten, was einerseits zu erheblichen Wertberichtigungen führen dürfte, zum anderen zu Einbußen bei den Finanzergebnissen.

Diese Verlustprognose entspricht bis zu 6,6% des Branchengewinns, wie er von der Sberbank im laufenden Jahr prognostiziert wird. Die größte Bank des Landes hat bislang eine Schätzung von 1,5 Bio. RUB abgegeben. Immerhin: Im Markt rechnet man damit, dass selbst in einem Worst Case Szenario sich die mittel- bis langfristigen Auswirkungen in Grenzen halten. Denn man erwartet, dass im Ernstfall die russische Zentralbank wieder eingreift, wie sie es bereits 2008 getan hatte. Damals hatte sie die Banken dadurch entlastet, dass sie auf Wertberichtigungen verzichtete.

Trotz dieser Ergebniswarnungen läuft bei den russischen Bankanleihen derzeit die Schnäppchenjagd. Was natürlich nicht verwundert. Denn insbesondere die Spitzeninstitute würden auch nach unserer Einschätzung jederzeit entsprechende Kapitalhilfen erhalten. Das gilt letztlich auch für die europäischen Töchter, über die insbesondere die Hartwährungsanleihen emittiert wurden. Diese weisen derzeit ein sehr attraktives Renditeniveau aus, wenngleich entsprechende Investments spekulativer eingestellten Investoren vorbehalten sein sollten.

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