[vc_row][vc_column][vc_column_text]Die europäischen Eliten haben ihren französischen Wunschkandidaten für den Élysée-Palast bekommen.  Mit einer klaren Zweidrittel-Mehrheit setzte sich Emmanuel Macron im zweiten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen gegen Marine LePen durch. Damit avanciert er nicht nur zum jüngsten gewählten Präsidenten der Fünften Republik, sondern wird in Brüssel und etlichen Hauptstädten Europas schon als eine Art Heilsbringer gefeiert, der gleich 3 Dinge vorantreiben soll: Die Reformierung des verkrusteten politischen und sozialen Systems Frankreichs, die Modernisierung der EU und mithin die Belebung der früheren kraftvollen Achse Paris-Berlin.[/vc_column_text][vc_column_text]Große Brocken für einen 39-jährigen, der zwar schon als Wirtschaftsminister unter François Hollande erste politische Erfahrungen sammeln konnte, aber bislang im politischen Establishment Frankreichs über keine eigene Hausmacht verfügt. Dies soll sich spätestens bei den anstehenden Parlamentswahlen ändern, deren beide Wahlgänge am 11. und am 18. Juni angesetzt sind. Allerdings halten wir derzeitige Umfrageergebnisse, dass Macrons Bewegung „La République en marche“ (so der neue Name seit Wochenanfang) sogar eine Mehrheit im Parlament erhalten könnte, für derzeit kaum belastbar.[/vc_column_text][vc_column_text]Denn die Personaldecke der Bewegung ist nach einem Jahr Bestehen noch sehr dünn. Die Kandidaten müssen sich dabei in den Wahlgängen gegen etablierte und bekannte Profis insbesondere der Konservativen und Sozialisten in den einzelnen Wahlkreisen durchsetzen. Das ist nicht gänzlich unmöglich, aber mehr als ungewiss. Zumal Macrons bisher bekannte Reform-Agenda nicht bei allen gesellschaftlichen Kräften auf Zustimmung stoßen dürfte. Hier werden wohl vor allem die Gewerkschaften eine gewichtige Rolle spielen. Bekanntlich sind die Gewerkschaften in Frankreich deutlich stärker und besser organisiert als beispielsweise in Deutschland. Bei den von Macron geplanten Arbeitsmarktreformen gäbe es dabei einige große Kröten zu schlucken wie beispielsweise Obergrenzen für Abfindungen, um Entlassungskosten für Unternehmen zu senken. Das dürfte im Zweifel auf starken Widerstand stoßen.[/vc_column_text][vc_column_text]Grundsätzlich gilt: Gab es bei der Präsidentschaftswahl im zweiten Durchgang noch eine breite Front, um Marine LePen als Präsidentin zu verhindern, dürften nun wieder die alten „Wettbewerbs-Verhältnisse“ in der französischen Politik greifen. Das bedeutet, dass Macron, wenn er bei den Parlamentswahlen nicht eine Mehrheit erreicht, seine Reformen in Zukunft mit wechselnden Koalitionen voranbringen müsste. Ob und in welchem Umfang dies allerdings gelingen kann, bleibt abzuwarten.[/vc_column_text][vc_column_text]Ähnliches gilt auch für die außenpolitische Agenda. Hier dauerte es keine 24 Stunden, damit sich bereits wieder erste Risse zeigen. So lehnte bereits am Montag die deutsche Bundesregierung die Idee von Macron zur Emission von gemeinschaftlich garantierten Euro-Bonds ab. Auch die Ideen zu einer Fiskal- und Transferunion und einer Euro-Wirtschaftsregierung, wie sie von Macron bevorzugt werden, dürften in Berlin kaum auf Gegenliebe stoßen oder den Wählern zu vermitteln sein. Insofern könnte der „Heilsbringer“ schnell zur „Lame Duck“ werden.[/vc_column_text][vc_column_text]Letztlich hat das aktuelle Wahlergebnis etwas Druck aus dem EU-Kessel genommen. Was allerdings nicht bedeutet, dass europakritische Bewegungen und Parteien tatsächlich an Boden verloren haben. Auch wenn sich in den bisherigen Wahlen in diesem Jahr EU-freundlichere Kräfte durchsetzen konnten, so blieben diese von europakritischen Wettbewerbern dicht verfolgt. Das dürfte auch bei den anstehenden französischen Parlamentswahlen so bleiben und auch bei den im kommenden Jahr folgenden italienischen Wahlen.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]