[vc_row][vc_column][vc_column_text]In den vergangenen Monaten riss die Diskussion im Markt nicht ab, wann die Europäische Zentralbank von ihrer ultralockeren Geldpolitik inklusive Anleihenkäufen abrücken wird. Argumente für eine Straffung gäbe es inzwischen ausreichend viele. Dies betrifft insbesondere die Gesundung der Staatshaushalte der meisten Euro-Mitgliedsländer wie auch die konjunkturellen Indikatoren inklusive Arbeitsmarkt. Das hat auch dazu geführt, dass aus der EZB selber vorsichtige erste Signale gesandt wurden, die auf eine Endlichkeit des derzeitigen Anleihenkaufprogramms hinwiesen.[/vc_column_text][vc_column_text]Allerdings stellt sich an diesem Punkt die Frage, wie viel Spielraum die EZB denn wirklich hat. Zwar mag es bezüglich der öffentlichen Finanzen große Fortschritte gegeben haben. Und auch viele europäische Unternehmen stehen derzeit dank bester Finanzierungsbedingungen und eines guten konjunkturellen Umfeldes robust da. Doch gibt es eine Gruppe von Unternehmen, die vorerst jegliche Wünsche der EZB bezüglich einer
Zinswende eindämmen könnte.[/vc_column_text][vc_column_text]Die Rede ist von so genannten Zombie-Firmen. Deren besonderes Merkmal ist es, dass sie nur über eine Interest-Coverage-Ratio (also Gewinne im Verhältnis zu den Zinskosten) von 1 oder weniger verfügen. Sie wären die besonders Leidtragenden, wenn es zu einem allgemeinen Zinserhöhungstrend käme. Denn dann würden sich ihre Fähigkeiten, die Zinslasten zu tragen oder sich zu refinanzieren, deutlich verringern und selbst eine Welle von Ausfällen oder letztlich Insolvenzen drohen. Der Knackpunkt dabei:[/vc_column_text][vc_column_text]Diese Zombie-Firmen sind beileibe nicht so selten, wie ihr Name vermuten ließe, sondern bilden im Markt eine durchaus signifikante Menge. Wie die Bank of America gerade in einer neuen Studie vorrechnete, gehören rund 9% der Firmen aus dem Euro Stoxx 600 (ohne Banken) zu dieser Gruppe. Sie würden im Fall, dass die EZB ihren geldpolitischen Stimulus für den Unternehmenssektor einstellen würde, Gefahr laufen, zu kollabieren.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=“1/2″][vc_column_text]Im Vergleich zu den Werten, wie sie direkt nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers und der nachfolgenden Finanzkrise gemessen wurden, sind die Fortschritte zwar unverkennbar. Dennoch zeigen sich hier bereits einige Klumpen-Risiken. So gehören zu den Zombie-Firmen überdurchschnittlich viele Unternehmen aus dem Energiesektor und besonders viele kleine Firmen aus dem südlichen Europa. Aber auch bekannte Namen müssen in diese Gruppe mit einsortiert werden, so der italienische Medienkonzern Mediaset, die französische Werbefirma Publicis und die in Holland beheimatete Mediengruppe Altice.[/vc_column_text][/vc_column][vc_column width=“1/2″][vc_single_image image=“16472″ img_size=“full“][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]Natürlich lassen sich auch andere Indikatoren heranziehen, um die prognostizierte Zahlungsfähigkeit eines Emittenten darzustellen. Die auch von uns immer wieder angesprochene Ratio Nettoverschuldung zum operativen Gewinn (EBITDA oder EBIT) ist hier ein beliebtes Werkzeug. Doch sind tendenziell Risiken aus einer Zinswende für die Unternehmensfinanzen dann besonders gegeben, wenn bereits in einem Umfeld ultraniedriger Zinsen die Gewinnqualität so schwach ist, dass die Zins-Coverage entsprechend schmal ausfällt. Das weiß natürlich auch die Zentralbank. Was auch einen Erklärungsansatz liefert, warum die EZB weiterhin sehr zurückhaltend mit einer Entscheidung über die Zukunft des Anleihenkaufprogramm ist und diese immer weiter zum Jahresende hin verschieben möchte.[/vc_column_text][vc_column_text]Im Übrigen ist das Problem der Zombie-Firmen kein ausschließlich europäisches Problem. Wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich im letzten Monat vorrechnete, müssen in den 13 größten Industrienationen rund 10,5% aller börsennotierten Unternehmen, die älter als zehn Jahre alt sind, zu dieser Gruppe gezählt werden. Das ist derzeit ein mehr als doppelt so hoher Prozentsatz als vor dem Ausbruch der Finanzkrise.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]
