Das anhaltende Niedrigzins-Umfeld inklusive immer mehr negativer Renditen bei gleichzeitig steigendem Aktienmarkt lockt Bond-Investoren zunehmend in eine Asset-Klasse am Anleihenmarkt, die sonst eher ein Nischendasein führt. Die Rede ist von so genannten Wandel-Anleihen. Wer mit diesem Konzept noch nicht so ganz vertraut ist: Hierbei wird ein Bond emittiert, der in der Regel nur einen geringen oder gar keinen Kupon trägt, dafür unter bestimmten Konditionen die Wandlung in Aktien verspricht.

Das derzeit Spannende daran: Es ist inzwischen zunehmend häufiger der Fall, dass solche Wandel-Anleihen nicht in Aktien des emittierenden Unternehmens getauscht werden können, sondern in Aktien anderer Firmen. Exemplarisch dafür steht der französische IT-Dienstleister Atos, der kürzlich eine Wandel-Anleihe im Volumen von 500 Mio. EUR an den Markt brachte, die in Aktien des ebenfalls französischen Zahlungsdienstleisters Worldline getauscht werden können. Atos erhält damit die Möglichkeit, seine bisherige Minderheitsbeteiligung von 12% an Wordline zu reduzieren, ohne durch die dazu notwendigen Aktienverkäufe den Worldline-Kurs zu schädigen, da die Transaktion sprichwörtlich auf viele andere kleinere Investoren verteilt wird.

Diesem Beispiel sind in diesem Jahr noch mehr Investoren gefolgt. So wurde die Anzahl der entsprechenden Deals mehr als  verdoppelt und das Transaktionsvolumen fast vervierfacht. Natürlich sind Wandelanleihen insgesamt kein solch großes Novum.  Insbesondere große Investmentbanken wie beispielsweise JPMorgan platzieren hier regelmäßig Wandelanleihen auf andere Firmen.  Es ist im derzeitigen Umfeld eine klassische Win-Win-Situation. Die Emittenten können hier in der  Regel Aktien aus ihrem Bestand  mit einem Premium verkaufen, Kapital zu null oder sogar Minus-Zinsen aufnehmen und gleichzeitig Lockup-Perioden bei den  entsprechenden Aktien vermeiden. Für Investoren eröffnen sich über Wandelanleihen oftmals Chancen, in Unternehmen zu  investieren oder zumindest solche Investments möglich zu machen, die sonst eher seltener am Anleihen-Markt anzutreffen sind.

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