Nach der Wahl ist vor der Wahl. Nachdem die EU-Bürger über die neue Zusammensetzung des, eigentlich noch ziemlich machtlosen, EU-Parlaments abgestimmt haben, beginnt nun auf offener Bühne und in den Hinterzimmern der Politik das eigentliche Geschacher um die zukünftigen Machtverhältnisse in der EU und Eurozone.

Dabei stehen die europäischen Politiker vor einer Macht-Arithmetik besonderer Ausprägung. Denn in den kommenden Monaten sind so viele Top-Jobs neu zu besetzen wie rechnerisch nur alle 40 Jahre. Zur Ausschreibung stehen neben dem EU-Kommissionspräsidenten und dem Parlamentspräsidenten auch ein neuer Ratsvorsitzender, ein Außenbeauftragter und letztlich auch ein neuer EZB-Präsident.

Wer letztlich auf welchen Posten kommt, wird, wie nicht anders zu erwarten, keine Frage der besonderen Qualifizierung sein, sondern des Proporz. Was bis vor kurzem noch hieß, dass mindestens ein Deutscher zum Zuge kommen dürfte. Allerdings zeigte sich in den letzten Wochen, dass mit einer  Bundeskanzlerin auf dem gefühlten Absprung die Verhandlungsposition Deutschlands im europäischen Machtgefüge deutlich abgeschwächt wurde. So  kristallisiert sich immer mehr heraus, dass insbesondere Frankreich und sein angeschlagener Präsident Macron hier in den nächsten Wochen und Monaten  wohl Machtpolitik vom feinsten abliefern werden.

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