Kurz vor dem Jahresende spitzt sich erneut die Lage auf den Energiemärkten zu. So kostete die Megawattstunde Erdgas zur Wochenmitte über 180 EUR am niederländischen Übergabepunkt TTF. Das zog auch die Strompreise mit nach oben, da für die Stromerzeugung in Europa noch in großem Umfang Gaskraftwerke zum Einsatz kommen. So entfielen mit Stand März 2021 von den Netto-Kraftwerkskapazitäten 267 GW auf Gaskraftwerke (1.417 Kraftwerksblöcke). Das entsprach im Rahmen der grundlastfähigen fossilen Brennstoffe (inklusive Uran) einem Anteil von rund 36%

Die Gründe für den Preissprung sind vielfältig, manche nur sehr kurzfristiger Natur, andere wiederum weisen auf ein strukturelles Problem hin. Zu den kurzfristigen Einflussgrößen kann man zählen, dass für Europa kälteres Wetter angekündigt ist, was die Nachfrage nach Gas und Strom sprichwörtlich anheizt. Außerdem nimmt Frankreich derzeit zwei große Kernkraftwerke wegen Überprüfungen vom Netz.

Doch dann wäre da noch Russland. Wie bekannt wurde, liefert Gazprom derzeit kein zusätzliches Gas über den vereinbarten Mengen. Kann man durchaus verstehen, wenn man sich so die letzten Wochen anschaut. Natürlich ist es nicht zu akzeptieren, wenn Russland gegenüber der Ukraine militärische Drohgebärden aufbaut. Aber das, was die europäische bzw. deutsche Außenpolitik da in den letzten Tagen zeigte, kann man allenfalls als undiplomatisch bezeichnen, eigentlich aber eher als stümperhaft. Eigentlich müsste jedem klar sein, dass die Russen nur Dienst nach Vorschrift machen, wenn es europäische Politiker gibt, die schon mit den Säbeln rasseln oder das milliardenschwere Wirtschaft- und Prestige-Projekt Nord Stream II mit aller Macht noch auf den letzten Metern verhindern wollen

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