Hoffen auf bessere Zeiten – so kann man vielleicht die aktuellen Wachstumsprognosen des Internationalen Währungsfonds umschreiben. Dieser hat gerade eine Aktualisierung seiner Erwartungen publiziert. Hauptnachricht dabei: Für dieses Jahr rechnet der IWF im Rahmen der Weltwirtschaft nicht mehr mit einem Wirtschaftswachstum von 4,9%, sondern nur noch von 4,4%. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr hatte die weltweite Wachstumsrate bei 5,9% gelegen, allerdings deutlich angefacht durch den Rebound nach dem Coronajahr 2020. Das
es nicht mehr ganz so dynamisch nach oben gehen würde, war schon in den letzten Monaten klar geworden. 0,5 Prozentpunkte Korrektur nach unten sind allerdings schon eine ziemliche Ansage.

Zumal der IWF in einzelnen Märkten sogar noch stärker nach unten korrigiert. Das gilt insbesondere für Amerika. Hier hatte der IWF vor drei Monaten noch mit einem BIP-Wachstum von 5,2% gerechnet. Jetzt wurde diese Erwartung auf nur noch 4% herunterrevidiert als Ergebnis einerseits der weiterhin vorhandenen Lieferkettenproblematik, aber auch mit Blick auf die kommende Zinswende und damit auch Liquiditätsverknappung. Aber auch in anderen Märkten wurde kräftig rasiert. In China sollen es statt bislang erwarteter 5,6% nur noch 4,8% werden, in Euroraum wird nur noch mit einem Wachstum von 3,9% statt 4,3% gerechnet. Deutschlands Wachstumserwartung wurde dabei um 0,8 Prozentpunkte auf 3,8% abgesenkt.

Nun muss man diese Zahlen natürlich auch einordnen. Tatsache ist, dass der IWF nicht gerade dafür bekannt ist, punktgenaue Prognosen abzugeben. In der Vergangenheit lag er häufig daneben und die relativ häufige Schlagzahl von Korrekturen spricht auch nicht unbedingt für die Prognosequalität. Dennoch steckt natürlich ein gehöriger Wahrheitskeim drin. Denn das neue Jahr hat nicht nur mit alten Problemen angefangen (Stichwort Chipknappheit und Lieferketten), sondern liefert neben den Sorgen rund um die von den USA angekündigte Zinswende und Rückführung der Fed-Bilanz auch Ängste geopolitischer Art, Stichwort Ukraine. Langgediente Börsianer wissen zwar, dass politische Börsen meist nur kurzfristig angelegt sind. Da es hier allerdings auch um ganz prinzipielle Machtverhältnisse geht und darüber spekuliert wird, ob Russland seinen wichtigsten Rohstoff Erdgas als Druckmittel benutzt, ist die Unsicherheit groß. Und das könnte zumindest in den nächsten Monaten für geringere Wirtschaftsaktivitäten sorgen, die zumindest das erste Halbjahr deutlicher belasten.

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