Die Europäische Zentralbank läutet ihre Zinswende mit einem kleinen Knall ein. Denn statt der bislang bei den meisten Marktteilnehmern erwarteten 25 Basispunkte hat die EZB auf ihrer Donnerstags-Sitzung die Leitzinsen um 50 Basispunkte angehoben und damit letztlich den Plan, erst im September den bisherigen Negativzins zu beenden, vorgezogen.

Auf den ersten Blick scheint diese deutlichere Anhebung das Eingeständnis zu sein, dass man nun doch stärker gegen die galoppierende Inflation vorgehen muss. Bislang zeigte die EZB hierbei sehr viel Langmut und war erst vor kurzem auf die Meinung umgeschwenkt, dass es hier ein großes Problem gibt. Aber damit kommt die EZB auch recht spät zur Zinserhöhungs-Party und es bedarf wohl noch einiger massiver Anstrengungen, um das derzeitige Rekordhoch von 8,6% (wobei es noch höhere Erwartungen gibt) bei der Inflationsrate wieder in den Griff zu bekommen.

Zumal die EZB nur bedingt Steuerungsmöglichkeiten über den Zins hat. Denn die Teuerung wird zu einem großen Maß vor allen durch die hohen Energiepreise und darauffolgende Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln und sehr wahrscheinlich nun auch bei den Löhnen angetrieben. Aber: Auch wenn sich der nun eröffnete Kampf gegen die Inflation medial recht gut abdecken lässt, so ist eigentlich das zweite Ergebnis der heutigen Sitzung wesentlich wichtiger.

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