„Das nächste Bankenprivileg fällt!“ – So titelte dieser Tage die Börsen-Zeitung mit Blick auf eine Entscheidung der Bank of England, auch Nicht-Banken die Möglichkeit zum Führen von Zentralbank-Konten zur Übernachtlagerung von Depositen zu geben. Bislang war das faktisch nur  Geschäftsbanken vorbehalten. Doch die BoE mit ihrem umtriebigen Chef Mark Carney zeigt damit, wie man Themen wie Digitalisierung und Fintechs aktiv angeht und nicht, wie derzeit noch viele andere Notenbanken, „behind the curve“ bleibt.

Denn eins ist offensichtlich: Die großen Tech-Firmen von Alibaba über Apple bis Amazon drängen immer mehr in bisherige klassische Bankgeschäfte  vor. Das Stichwort dazu lautet „Open Finance“. Die Bekanntgabe von Facebook, mit der Kryptowährung Libra eine neue „Weltwährung“ schaffen zu wollen, die im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen sogar an einen Währungskorb gebunden sein soll, hat den Markt  aufgerüttelt. Denn Libra ginge weit über das hinaus, was Kryptowährungen heute auszeichnet. Außerdem würden durch das inzwischen  zusammengetrommelte Libra-Konsortium vielfältige reale Anwendungsmöglichkeiten entstehen.

Tatsache ist: Die Big Techs haben mit dem Thema Zahlungsabwicklung (z. B. Apple-Pay oder Alipay) den Zugang zum Finanzsektor geschaffen. Doch dabei wird es nicht bleiben. So ist es für die Zentralbanken dringend notwendig, die neuen Player in bisherige und zukünftige Aufsichtsschemata zu  integrieren, um die Finanzstabilität weiter zu wahren. Mit dem Angebot von verzinsten (0,75%) Übernacht-Depositen schafft die BoE für die Fintechs einen  interessanten Anreiz, Überschussliquidität zu parken. Und das ist dringend nötig. Hinzu kommt, dass auf diesem Weg die Zentralbanken an „informelle“  Informationen kommen werden, die in der effektiven Aufsicht dringend notwendig werden. 

Dieser Inhalt ist nur für ICM Premium Mitglieder abrufbar.
Einloggen Registrieren