An den Märkten wird immer stärker ein Szenario diskutiert, das geradezu als Schreckgespenst gilt – die Stagflation. Dieses Kunstwort aus Stagnation und Inflation hat es aber auch in sich. Denn die Kombination aus wirtschaftlichem Stillstand und gleichzeitig steigenden oder auf hohem Niveau verharrenden Teuerungsraten entzieht sich in großen Teilen den klassischen Ansätzen der Geldpolitik. Lehrbuchhaft kann man es sicherlich so ausdrücken: Schwächelt das Wachstum, kann eine Notenbank durch niedrigere Zinsen und andere Liquiditätszufuhren in den Markt gegensteuern. Schießt die Inflation über, könnte man mit höheren Zinsen und der Verteuerung von Geld gegenlenken. Daran sehen Sie schon, dass in einer Stagflation sich die gängigen Maßnahmen gegenseitig ausschließen bzw. neutralisieren.

Dass gerade jetzt darüber gesprochen wird, kommt auch nicht von ungefähr. Denn vieles erinnert an die letzte echte Stagflation in den siebziger Jahren im Zuge des Ölpreisschocks. Da fühlen sich viele bei den massiv gestiegenen Energiepreisen gleich daran erinnert. Wobei auf der Wachstumsseite derzeitige LieferkettenProbleme, der Mangel an wichtigen Halbleitern und die damit verbundenen Produktions-Schwierigkeiten insbesondere in Branchen wie dem Automobilbau das entsprechende Stagflation-Szenario zeichnen.

Wobei die Geldpolitik noch vor einem ganz besonderen Problem steht: Denn sowohl in Amerika als auch in der Eurozone, um die beiden wichtigsten westlichen Wirtschaftszonen zu umreißen, ist man bislang nicht aus dem Krisenmodus der Corona-Krise (Europa nicht mal aus der Finanz- bzw. Euro-Krise) herausgekommen. Bildlich gesprochen: die Köcher sind so oder so leer. Indes:

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