Nachdem wir vor 14 Tagen das letzte Mal über Thyssenkrupp und die inzwischen erfolgreiche Gründung des Stahl-Gemeinschaftsunternehmens mit Tata Steel berichteten, überschlugen sich die Ereignisse. Kaum waren die Unterschriften unter dem Stahl-Vertrag trocken, reichte Thyssenkrupp-Vorstandschef Hiesinger seinen Rücktritt ein. Nachdem mit dem bisherigen Finanzvorstand Guido Kerkhoff zumindest ein Interimschef ernannt wurde, schmiss dann auch noch Aufsichtsratschef Helmut Lehner hin.

Damit scheint bei Thyssenkrupp derzeit alles möglich – von tatsächlicher Neuordnung bis Zerschlagung. Wobei alle beteiligten Fraktionen sehr unterschiedliche Signale senden. So hatte der Hedgefonds Elliott bekanntlich immer wieder massiv kritisiert, dass Thyssenkrupp sprichwörtlich ein Gemischtwaren-Laden wäre, was keinen Sinn ergeben würde. Nun, da die beiden Spitzenmänner Knall auf Fall abgedankt haben, will er jetzt nichts mehr von einer angeblichen Forderung nach Zerschlagung wissen. Auch die Krupp-Stiftung sitzt derzeit zwischen allen Stühlen. Statutengemäß soll sie die Einheit von Thyssenkrupp bewahren, kann sich allerdings auch nicht den operativen Gegebenheiten verschließen.

Das Risiko ist dabei real, dass es bei der Bestellung eines neuen Aufsichtsratschefs zu einer Pattsituation kommt, die den Konzern längere Zeit lähmt. Zumal es so schon schwer werden dürfte, hier einen Nachfolger  zu finden, der sich das augenscheinliche Chaos und die vor dem Konzern liegende komplette Neuausrichtung antun will. Insofern könnte es sein, dass hier durch operative Entwicklungen Tatsachen geschaffen werden, auf die alle Beteiligten keinen Einfluss mehr haben.

Dieser Inhalt ist nur für ICM Premium Mitglieder abrufbar.
Einloggen Registrieren