Geht es nach dem Willen der neuen EU-Kommission und auch gewichtiger Stimmen in den nationalen Hauptstädten, dürfte eines der großen Themen in den kommenden Jahren der weitere Ausbau der EU-Kapitalmarkt-Union sein. Allerdings gibt es hier durchaus kritische Anmerkungen. So hatte erst kürzlich der Internationalen Währungsfonds ein eher ernüchterndes Zwischenfazit gezogen. Seine Kritik macht der IWF dabei insbesondere an einer seiner Meinung nach noch zu wenig fortgeschrittenen Integration der nationalen Kapitalmärkte fest.

Tatsache ist: Durch den bevorstehenden Brexit bekommt das Thema eine besondere Brisanz. Denn bislang dominierte die britische Börse auch insgesamt den gesamteuropäischen Kapitalmarkt. Zum Vergleich: Alle bisherigen 28 EU-Länder brachten es auf einen Anteil von rund 21% an den weltweiten Kapitalmarkt-Aktivitäten. Nach dem Ausscheiden von Großbritannien schrumpft dieser Anteil für die verbleibenden 27 Länder auf nur noch 14%. Amerika hält weiterhin 44%.

In der neuen Aufstellung würde dann beim EU-Anteil Frankreich mit 24% Marktanteil den Ton angeben, gefolgt von Deutschland mit 19%.  Hier wäre es sicherlich sinnvoll, zu einer neuen Qualität der Kooperation zu kommen. Doch schon der Wettbewerb um das aus London  abwandernde Geschäft hat gezeigt, dass Paris und Frankfurt vorerst harte Konkurrenten bleiben werden. 

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