Droht der Euro-Zone eine Deflation? Die jüngsten Daten von der Preisentwicklung können dieses Szenario zumindest nicht entkräften. Denn sowohl der massive Preisverfall beim Öl als auch die ersten Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie haben im März die Teuerungsrate in der Euro-Zone auf den tiefsten Stand seit September 2019 gedrückt. In der Kernrate ging es sogar auf 0,7% über dem Vormonat zurück, der tiefste Wert seit fünf Monaten. Und die Aussichten werden nicht besser.

Denn für den April kann man wohl davon ausgehen, dass der europaweite Shutdown die Teuerungsrate noch weiter nach unten drückt. Wir würden hier Werte zwischen 0,6 und 0,5% erwarten. Ein mehr als zweischneidiges Schwert. Denn auch, wenn in der aktuellen Krisensituation Unternehmen und Verbraucher sich freuen dürften, das bspw. niedrige Treibstoffpreise den Geldbeutel etwa schonen, so bleibt doch das eherne Gesetz: Wachstum braucht Inflation.

Nur wenn die Preise steigen, sehen sich Unternehmen und Verbraucher veranlasst, zu investieren und zu konsumieren, da sie damit rechnen müssen, dass es später noch teurer wird. Eines der logischsten ökonomischen Gesetze,  wenn man rational handelt. Auf der anderen Seite: Wenn Firmen und Konsumenten damit rechnen können, dass alles noch billiger  wird (fallende Teuerung oder sogar Deflation), werden sie auch mit Investitionen und Konsumkäufen warten.

Dies kann in eine deflationäre Abwärtsspirale führen und das ist ein Szenario, das den Notenbanken – bzw. in  diesem Fall insbesondere der EZB – erhebliches Kopfzerbrechen machen dürfte. Denn: Eine Deflation umzukehren, gehört  wohl zu den schwierigsten geldpolitischen Herausforderungen, da es hierfür zwar bislang viele Theorien, aber kaum praktische Gewissheiten gibt. Das besondere Problem dabei:

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