Bei manchem Marktteilnehmer war dann doch etwas Wehmut zu verspüren, nachdem am Mittwoch die bisherige Fed-Chefin Janet Yellen ihre letzte Sitzung der US-Notenbank leitete. Zukünftig hat nun Jerome Powell das geldpolitische Zepter in der Hand und auch, wenn faktisch niemand damit rechnet, dass hier kurzfristig neuer Wind in die Notenbank-Strategie kommt, so wird man doch sehr genau darauf achten, ob und welche thematischen Pflöcke der „Neue“ einschlagen wird.

Rein inhaltlich war das Treffen der US-Notenbank für den Markt ein Non-Event. Denn im Vorfeld gingen die Anleger nicht davon aus, dass hier eine neue zinspolitische Entscheidung getroffen wird. Vielmehr stand die gestrige Sitzung unter dem Thema, letztlich die nächste Zinserhöhung verbal vorzubereiten. Dabei sieht alles danach aus, dass es im März den nächsten Zinsschritt geben wird. Was auch zu dem fundamentalen Umfeld passt. Denn derzeit liefert die amerikanische Wirtschaft, auch wenn es bezüglich der Q4-Zahlen eine Enttäuschung gab, ein solides Bild ab. Die Arbeitslosenquote ist auf einem 17-Jahres-Tief, der private Konsum befindet sich in einem positiven Pfad, ohne überzuschießen und die Investitionen liefern ebenfalls eine gute Begründung, warum die Fed ihre Zinsprojektionen von mindestens drei Schritten in diesem Jahr weiter umsetzen kann.

Was nicht heißt, dass es keinen Konfliktstoff gibt. Dies besonders mit Blick auf die Emissionstätigkeit des US-Schatzamtes. Wir hatten bereits in der vergangenen Woche thematisiert, dass abzusehen ist, dass zur Finanzierung der verschiedenen Maßnahmen von Präsident Trump eine erhöhte Platzierung von US-Staatsanleihen zu erwarten ist. Wie zur Bestätigung kündigte die Regierung zum Ende des Monats an, in diesem Quartal Schulden im Volumen von 66 Mrd. USD platzieren zu wollen. Dies wäre die erste Erhöhung des Platzierungsvolumens seit 2009 und wird insbesondere damit begründet, das zunehmende Haushaltsdefizit abzudecken.

Dieses Thema könnte auch gleich zur ersten Bewährungsprobe von Fed-Chef Powell werden, der bekanntlich durch Trump ernannt wurde. Denn US-Finanzminister Steven Mnuchin erklärte, dass die Erhöhung des Platzierungsvolumens auch damit zusammenhänge, dass man weniger Staatsanleihen bei der Fed abladen könne. Diese hatte bekanntlich im Oktober beschlossen, ihre aufgeblähte Bilanz nach und nach abzubauen und hatte dies auch auf der jüngsten Sitzung nochmals bestätigt.

Deshalb muss das Schatzamt nun Papiere verstärkt am öffentlichen Primärmarkt unterbringen. Gut vorstellbar, dass, wenn noch größere Volumen nötig wären, hier zumindest verbaler Druck auf die Fed aufgebaut werden könnte, bei ihrem Bilanz-Abschmelzen langsamer vorzugehen, um im Gegenzug Staatsanleihen zu kaufen.